Litha

Sommersonnenwende

21 Juni 2021

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Wie die Tagundnachtgleichen für das perfekte Gleichgewicht und Harmonie stehen, so stehen die Sonnenwenden für Höhepunkte, Momente in welchen die aktiven Kräfte ihre höchste Spitze erreichen. 

Die Sommersonnenwende ist der Spitzenpunkt des Lichts. Es ist ein wundervoller Moment, in dem wir alle dem Licht so nahe sind wie sonst nie. Alles ist hell, alles ist beleuchtet und warm, die starke Sonne befreit uns von Gedanken, Sorgen und negativen Gefühlen. Uns erfüllt die Lust auszubrechen oder uns zu erholen, einen Berg hochzusteigen, Ausflüge mit dem Velo, dem Motorrad oder zu Fuss zu machen.

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Die Welt um uns folgt diesen selben Impulsen: Die Pflanzen wachsen rastlos, nun blühen nicht nur die Frühlingsblumen sondern auch viele Heilpflanzen wie Schafgarbe, Malven, Johanniskraut, Enzian und auch andere grosse, robuste Pflanzen wie die Sonnenblume, welche von März bis jetzt viel Zeit zum Wachsen hatte.
Die Getreidefelder breiten einen grünen Teppich mit roten Akzenten der Mohnblüten aus und manche, in den südlicheren Regionen, beginnen bereits zu reifen.

Es kann schon so einiges aus dem Beet geerntet werden, zum Beispiel Erdbeeren, Himbeeren, Erbsen und Bohnen, wie auch alle Salate welche nun schon seit einer Weile unsere Teller bereichern und unseren Speicher mit Mineralien und Vitaminen füllen.

Alles ist Freude, alles ist Leben, alles ist schön. Nichts lässt uns denken, dass dieser Luxus irgendwann ein Ende haben wird, und alles lädt uns ein, diesen Moment zu geniessen.

Genau dies ist das geistige Thema des Momentes: das Bewusstsein des Momentes, awareness auf Englisch. So wie es im Frühling wichtig war, an die Zukunft zu denken, um sie nach unseren Wünschen und Vorstellungen zu gestalten, ist jetzt diese Zukunft gekommen und es wird Zeit, sie voll und ganz zu geniessen. 

In unserer Gesellschaft werden wir oft daran gewöhnt, die Gegenwart zu ignorieren. Wir denken immer daran, wie wir unsere Zukunft verbessern können und eventuell grübeln wir noch auf einer unglücklicher Vergangenheit nach.

Aber eigentlich ist die Gegenwart das, was am Meisten zählt. Das Ziel von dieser gesamten Lebensaufgabe ist doch genau dies; eine gute Gegenwart zu haben.

Was bringt es uns, andauernd zu versuchen, eine bessere Zukunft zu haben und wenn diese Zukunft dann gekommen ist, wir wieder viel zu beschäftigt sind, die weitere Zukunft "noch besser" zu gestalten?

Diese imaginäre Zukunft könnte nie stattfinden. Es ist die Gegenwart, auf die wir uns konzentrieren sollten.

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Wie ein Atemzug, müssen auch unsere Vorhaben den zyklischen Phasen des Lebens folgen. Es braucht den Moment der Planung, den der Aussaat, und den des Hinsetzen und Warten, während man das Ausgesäte wachsen sieht. 

Genau aus diesem Grund wurde das keltische Fest Litha mit zwölf Tagen Ferienzeit gefeiert, wie bei der Wintersonnenwende.

In den antiken keltischen Gemeinschaften wurde nach der Sonnenwende für zwölf Tage nicht gearbeitet, sondern gefeiert.

Alles wurde pausiert; die Feldarbeit, die Handwerklichen Arbeiten und auch der Haushalt. Es wurde bereits alles gut in Gang gesetzt, jetzt ist es nicht nötig, sich zu sehr anzustrengen.

Sonnenwende bedeutet, dass die Sonne stehen bleibt, so sollten auch die menschlichen Tätigkeiten stehen bleiben.

TRADITIONELLE FEIERN ZUR SOMMERSONNENWENDE

Die Sonnenwende ist ein sehr gefeiertes Fest, vor Allem in Grossbritannien aber auch im restlichen Nordeuropa. Es wird in gross gefeiert, ähnlich wie bei Beltaine, mit grossen Feuern und lustigen Tänzen.

Nach Tradition wird ein reinigendes Feuer entzündet, über das gesprungen werden kann, wenn man sich geistig reinigen und für's ganze Jahr mit Glück und Freude gesegnet werden will. Es scheint so, als hätte man sogar die Tiere des Hofes durch das reinigende Feuer gehen lassen (ich will mir gar nicht vorstellen, auf welche Weise man sie dazu brachte...).

Noch heute gibt es den Brauch, dass starke, junge Leute über das Sonnenwendfeuer springen. Ich durfte diesem Spektakel schon öfters persönlich zusehen und muss sagen, dass es eine wirklich sehr schöne, verwurzelnde und tiefe Tradition ist, welche uns reicher macht und das Herz mit Licht füllt. 

Bei Stonehenge gibt es jedes Jahr eine wichtige rituelle Zeremonie, denn die megalithische Stätte ist so ausgerichtet, dass das Licht des Sonnenaufgangs nur genau zur Sonnenwende perfekt durch die Mitte scheint. Das ist jedoch bei Weitem nicht die einzige antike Stätte, bei der man die Sonnenwende feiert. Es gibt jedes Jahr immer wie mehr Feiern an heiligen Orten, welche öfters so ausgerichtet sind, dass das Licht des Sonnenaufgangs zur Sonnenwende an einen bestimmten Punkt oder durch eine bestimmte Öffnung scheint.

 

In diesem Moment des Jahres, während der Pause zwischen Säen und Ernten, wenn es so scheint als würde auch die Sonne inne halten um uns komplett zu bescheinen, sind die Feiern der Sonnenwende Augenblicke extremer, ekstatischer und unendlicher Freude.

Die riesigen Feuer auf den höchsten Spitzen der Hügel und Berge dienen als Brücke zwischen der irdischen Welt und der Himmlischen.

 

Weitere Bräuche sind:

Die Sonnenräder: Aus Holz und Heu wurden Räder gebaut, welche angezündet und den Hügel runter gerollt wurden. Ein wunderschönes Spektakel, welches uns an den Weg der Sonne erinnert. (Unten endete ihre Reise in einem See oder Fluss.)

 

Die Segnung der Feuerstelle:

Am Ende der Feier auf dem Hügel, brachte jeder Teilnehmer ein Stück brennendes Holz mit nach Hause, mit dem das eigene Feuer entfacht wurde. So segnet das heilige Feuer der Sonnenwende auch das heimische Feuer.

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Die Live Übertragung der Sonnenwendzeremonie bei Stonehenge, am 21. Juni um 5:15 Uhr: 

https://www.youtube.com/watch?v=uuv1nw215-o

BELENOS, DER SONNENGOTT

Auch wenn die Göttin allseits anwesend ist, wird die Sommersonnenwende fast ausschliesslich dem Sonnengott gewidmet. Dies ist selbsterklärend, wenn man bedenkt, dass das gesamte Fest hauptsächlich um die Licht, Wärme und Leben bringende Sonne geht. Man feiert, dass die Sonne ihre Kraft zurückerlangt hat und für viele Stunden im Himmel bleibt.

Im Norden (Skandinavien) sind diese Feiern besonders wichtig, denn die Sonne geht dort gar nicht unter, und dieses enorme Licht ist nötig, um die Dunkelheit des Winters auszugleichen.

Belenos, in der keltischen Mythologie, oder Baldur, in der nordischen Mythologie, ist ein blond scheinender Engel, das positivste Wesen, dass wir uns vorstellen können, von unendlicher Schönheit, Güte und Freundlichkeit, welches uns allen Licht und Liebe bringt. Er ist der Gott, der von allen am liebsten gewollt ist, auch bei den Göttern selbst.

Die Legende um ihn besagt, dass Baldur/Belenos durch einen Trick von Loki, seinem Gegner, getötet wurde, welcher den Rest des Sommers als Feuergott herrschen wird. Belenos wird dann dank seiner Mutter Frigg, pünktlich zur Wintersommerwende, wiederauferstehen.

Der Sonnengott ist aber eigentlich etwas viel antikeres, von extremer Wichtigkeit und Macht.

Ohne die Sonne gäbe es rein gar nichts auf der Erde, und dem waren sich unsere Vorfahren sehr bewusst.

Andere Sonnengötter sind auch Ra, der sehr geehrte ägyptische Gott, Helios, der römische Gott welcher jeden Tag mit der Sonne spazieren geht, und Apollo, der entsprechende griechische Gott.

Im Hinduismus gibt es Surya, und auch viele andere Kulturen, wie die Mayas, hatten einen Sonnengott.

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WIE MAN DIE SONNENWENDE FEIERT

Die Sonnenwende ist, wie der Name schon sagt, ein Wendepunkt, welcher für uns nützlich sein kann um komplett umzustellen und zu leben beginnen, mit mehr Bewusstsein für unsere Gesundheit, die Familie und die Gesellschaft.

Das Beste ist, an ein bereits organisiertes Fest, mit einem grossen Feuer, Tänzen und freiem Feiern, zu gehen. 

Wenn es dies nicht gibt, kann man auch selber ein Fest machen mit Freunden, im Wald oder im Garten. Das Wichtige dabei ist, dass alle frei, friedlich und fröhlich sind. Und natürlich dass es ein Feuer hat!

Eine andere, spirituellere Variante, welche man auch an den Tagen davor oder danach machen kann, ist einen Berg hochzusteigen. In dieser Zeit ist es besonders eindrücklich, einen Berg bis hoch auf die Spitze zu erklimmen, weil es uns in tiefe Verbindung mit den Göttern und dem Himmel setzt, und uns verstehen lässt was es heisst, wirklich am Höhepunkt zu sein.

Während des Aufstieges verarbeiten wir all das, was in den vergangenen Monaten geschah, und wir bereiten uns vor auf den wohltuenden Abstieg der Sommermonate.

THEMA DES MOMENTES

Freude, Frieden, Licht. In dieser Zeit sollte kein winziges Bisschen Dunkelheit in uns bleiben. Es ist der Moment, alle Sorgen zu vergessen und den positiven Gefühlen maximale Freiheit zu lassen.

ELEMENT DER SONNENWENDE

Feuer und Wasser, das Gleichgewicht zwischen den Beiden. Die einzige Gefahr, die in den nächsten Monaten lauert, ist die Trockenheit.