Ostara

Frühlingstagundnachtgleiche

21 März 2021

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In dieser Zeit, wenn die Sonne auch in's Tal runter scheint und uns durch's Fenster mit all ihrer Majestät grüssen kommt, geht unsere Reise durch die Jaherszeitenfeiern weiter. Diese Reise begleitet unsere Körper und Seelen zu mehr Bewusstsein und Harmonie, im Einklang mit der Natur, unserer heiligsten Mutter, welcher wir den grössten Respekt gewähren.

FRÜHLINGSTAGUNDNACHTGLEICHE

Der Moment, in dem die Sonne in Widder geht, und Tag und Nacht gleich lang sind. Da unser Kalender nicht ganz exakt ist, weicht der Tag zwischen dem 20. und 21. März hin und her, ganz selten auch den 19. 

Die Tagundnachtgleichen sind Momente mit perfektem Gleichgewicht: Die weiblichen Kräfte der Erde, die Nacht, und die männlichen Kräfte, der Himmel und die Sonne, stehen in perfektem Gleichgewicht zueinander. Dies spiegelt sich sich in der gesamten irdischen Existenz wieder, auch in uns Menschen. Es ist ein Moment von grosser Harmonie, in welcher die Positivität Überhand hat und wir in der Lage sind, unsere Projekte auf eine stabile und nachhaltige Art zu realisieren und verfestigen. Auch die matriarchalischen Kräfte der heidnischen Göttin sind in diesem Moment in Harmonie mit den patriarchalischen Kräften des christlichen Gottes, was man daran erkennen kann, dass zwischen dem Osterfest und dem Fest der Tagundnachtgleiche keine Rivalität herrscht. Sie ähneln sich beide, sind aber an verschiedenen Tagen, wie zwei Pole für den Anfang und das Ende der Feierlichen Zeit. Die Mutter kommt am 20. März, sie bringt uns zur Welt wie eine Bärenmutter mit ihren Jungen. Der Vater empfängt uns Mitte April mit seinem feierlichen Mahl, in der schönsten und blumigsten Zeit der Erdoberfläche.

DIE QUALITÄT DIESER ZEIT

Die Frühlingstagundnachtgleiche ist auch im modernen Kalender der Anfang des Frühlings, die Jahreszeit in welcher die Natur erwacht: Aus der vom geschmolzenen Schnee feuchten Erde wachsen die ersten Blumen, Violetten, Krokus, Narzissen, Primel und alle anderen Frühlingsblumen. Auch das Gras beginnt zu wachsen, die Bäume lassen ihre ersten Blätter keimen. Viele Bäume entfalten ihre Blüten noch vor den Blättern, was unseren Gärten ein wunderschönes Farbenspektakel schenkt. Man sieht immer mehr Krähen in den Feldern auf der Suche nach Samen, wir beginnen die ersten Schmetterlinge zu blicken und in dieser Zeit paaren sich auch die Hasen, einige Vögel wandern wieder ein nach ihrem Winteraufenthalt in der Wärme und manche Tiere erwachen aus ihrem Winterschlaf.

Die Tage werden länger, die Freude steigt, und mit ihr wachsen auch Projekte, Ideen und Möglichkeiten. Man muss immer noch auf der Hut sein, aber wir beginnen immer wie mehr zu erkennen, was uns wirklich interessiert, und was hingegen unnötig ist und uns nicht gut tut.

Wer ein Beet hat, weiss es; es ist der Moment in dem das gesamte Jahr geplant werden muss. Was, wann und wo aussähen, um die Ernte des ganzen Jahres zu definieren, welche das Leben der gesamten Familie stark betrifft. Natürlich kann man auch im Laufe des Jahres noch Einiges anpassen, wer aber bereits jetzt einen klaren Plan hat, wird während des Jahres deutlich erfolgreicher sein. 

Das, was seit Milliarden von Jahren für die Pflanzen gilt, gilt auch für uns jüngste Erdgeborenen: auch wir werden vom Wandel der Jahreszeiten, welche das innere und äussere Leben des Planeten beeinflusst, gezeichnet. Unser Kalender wurde nach dem Rhythmus der Erde entworfen und alle Aktivitäten, manche mehr manche weniger, sind ihm unterworfen. Der Einfluss der Jahreszeiten auf unseren Organismus darf nicht unterschätzt werden: die Jahreszeiten beeinflussen unseres Wohlbefinden, die Stimmung, den Stoffwechsel und die Ernährung, oder zumindest sollten sie das. Es liegt an uns, ob wir das respektieren und unserem Körper das geben, was er braucht, oder eben nicht. Deswegen ist es sehr wichtig und nützlich den Spuren unserer Ahnen zu folgen und die Jahreszeiten so gut wie möglich zu ehren und respektieren.

Während der Fastenzeit ist es, auch für nicht Christliche, ein Moment der Entgiftung. Viele von uns sind noch immer am Eliminieren von Schlacken, sowohl materielle als auch emotionale, und am Wiederaufbauen, was uns die kommende Saison jünger und fitter antreten lässt. 

Fahren wir also fort mit dem täglichen Entgiftungstee, falls wir noch nicht vegan essen, versuchen wir wenigstens in dieser Zeit die tierischen Produkte so gut wie möglich zu vermeiden, aber auch industrielle Produkte und Gifte wie Alkohol, Nikotin, raffinierter Zucker, Zusatzstoffe usw. um dem Körper Körper zu helfen, sich zu entgiften und verjüngern. Zu diesem Zweck ist es auch ratsam grosse Mengen an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen der Pflanzen zu sich zu nehmen: im Winter sind die Nährstoffe knapp und oft kommt es zu Mängeln, welche im jetztigen Moment kompensiert werden können, zum Beispiel mit frischen Früchten und Gemüse, Säfte, Smoothies, Salate, Algen und Nahrungsergänzungsmitteln wie Weizenkeime, schwarze Melasse, Spirulina, Pollen oder auch natürliche multivitaminische Präparate. Jede/r von uns kennt sich selber und weiss, was er/sie braucht. Das wichtige ist, dies auch zu tun.

Das Prinzip lautet: zuerst entgiften, dann beleben und stärken. Wer früh mit Inbolc's Entgiftungskuren begonnen hat, kann sich jetzt die Freude machen, allles aufzunehmen, die Energie in jedem schönen Moment, die frische Luft, die warme Sonne, die ersten Ernten des Beets und andere gesunde Nahrungsmittel. 

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Auch im Tierreich ist dies der Moment, in welchem die Jungen zur Welt kommen. Deswegen sind der Hase und das Ei die Symbole von Ostern: beides sind Tiere, welche sich in diesem Moment grossartig fortpflanzen. Was auch typisch für den ganzen März ist, ist der frühlingshafte Vogelgesang, welcher das tiefste Innere unserer Seele berührt, und uns an alle vergangenen Frühlinge erinnert, welche wir in unserem Leben sehen durften, und vielleicht sogar noch frühere, welche in unserem kollektiven, archetypischen Gedächtnis gespeichert sind.

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Heutzutage spüren wir es nicht so sehr, aber der Winter ist für alle Lebewesen eine harte Probe, welche nicht jeder besteht. Wenn die Schneestürme und der eiserne Wind oder der nicht endende Regen über uns her fallen, beugen sich die Pflanzen und die Tiere ziehen den Kopf ein so weit es geht, jetzt handelt es sich um Leben oder Tod. Wenn sich aber im März die Wolken verziehen und Platz für die Sonne und die lauwarmen Tage schaffen, explodiert die Freude bei allen Lebewesen. Nicht nur die Freude, dass man nicht mehr frieren muss, sondern auch die Freude, überlebt zu haben. Es scheint wirklich, als würden die Vögel singen: Wir sind noch immer hier! Und die Tiere auf den Feldern rennen fröhlich umher, fast ungläubig, dass sie einen weiteren Frühling geniessen können, und das mit all ihren Extremitäten, welche sie im Frost zu verlieren riskiert haben. Was für eine Erleichterung, was für eine Freude! Das ist die Qualität der Frühlingstagundnachtgleiche, von Ostara. Mit grosser Freude und Erwartung für die kommende Saison, kommt alles aus Mutter Erde's beschützender Obhut heraus um ein neues Abenteuer zu starten. Die Erde färbt sich wieder in tausend Farben, tausend Formen und tausend Geräuschen, um ihre immense Vielfalt zu feiern. Aus dem blassen, fast monocromatischen Weiss von Inbolc kann nun die grosse Vielfalt explodieren. Dies ist aber nur möglich dank der geschehenen Reinigung und Reduktion zum Essenziellen, was die Eigenschaft von Inbolc ist. Dies ist der langsame Atem der Erde, welcher sich auch mit dem Atem des Universums synchronisiert: Erweiterung und Rückzug... Alles ist Zyklisch und alles braucht sein Gegenstück, um zu existieren. 

Auch für die Menschen ist jetzt die Zeit gekommen, um sich zu zeigen, sich auszudrücken, öffnen und beginnen die eigenen Interessen materiell zu kultivieren. Früher war es der Ackerbau, welcher in diesem Moment mit dem Aussähen begann. Heute kann man es als symbolisches Aussähen unserer Ziele sehen: Eine Verkaufsanzeige erstellen, Werbematerial für das eigene Unternehmen drucken, mit einem Sport oder Hobby beginnen, die Ernährung verändern, mit Rauchen aufhören, sich an einem Kurs anmelden, Ferien buchen usw. All jenes umsetzen, was man bis jetzt nur in Worte gefasst hatte, unsere persönlichen Projekte umsetzen, welche auch unser Garten oder Balkon sein könnten, wobei wir dann wieder bei der wortwörtlichen Aussaat wären.

Wer ein naturverbundenes Leben führt, wird sich jetzt voller Energie fühlen, und sollte diese auch benutzen. Als ich ein Beet hatte (den grössten Teil meines Lebens), hackte ich jedes Jahr im März die gesamte harte Erde von Hand, dann verteilte ich sie gründlich mit dem Rächer und begann die Aussaat. Als ich dann im Sommer daran zurück dachte, kam es mir jedes Mal unmöglich vor, so eine harte Arbeit in kürzester Zeit gemacht zu haben, und ich wäre nicht im Stande gewesen, es zu irgend einem anderen Zeitpunkt des Jahres zu wiederholen. Die Natur weiss gut, wann der Zeitpunkt ist um uns die nötige Energie für die richtigen Sachen zu geben. Wer sich in dieser Zeit noch immer müde und antriebslos fühlt, der hat sich wohl nicht genügend entgiftet, hat seine Kanäle nicht gründlich gereinigt und deshalb kann die Energie nicht so gut fliessen. In diesem Fall empfehle ich eine Kur mit frischen Früchten und Gemüse, viel sauberes Wasser, Luft und Sonne, mit Bewegung und Spaziergängen um den Kreislauf und alle vitalen Prozesse zu aktivieren.

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DER FRÜHLINGSPUTZ

Es ist kein Zufall, dass man nach Tradition genau in dieser Zeit das eigene Haus gründlich reinigt, denn unsere Umgebung spiegelt unser Inneres wieder, und umgekehrt. Für eine komplette Reinigung von Körper, Geist und Seele, muss man auch den Ort an dem man lebt, mit einbeziehen.
Der Frühlingsputz ist auch wichtig um alle schädlichen Überbleibsel des Winters zu eliminieren, wie Bakterien, Milben, Schimmel, tote Insekten usw aber auch Essensreste, welche im Sommer Ameisen und Mäuse anlocken würden. Das Entfernen von Staub ermöglicht ausserdem eine bessere Atmung, was das generelle Wohlbefinden steigert.

Der beste Moment für so eine gründliche Reinigung ist ungefähr eine Woche vor der Feier der Frühlingstagundnachtlgeiche, um dazwischen noch etwas Zeit für sich zu haben. Der Frühlingsputz beginnt mit dem weiten Öffnen aller Fenster, um so viel Luft wie möglich reinzulassen, damit nicht nut die Pflanzen, sondern auch unser Mobiliar aufblühen kann. Man fährt fort mit dem schütteln und klopfen aller Kissen und Teppiche (so weit draussen wie möglich, im Garten oder Vorhof oder so..), die Vorhänge runter nehmen und in der Waschmaschine waschen, alle Möbel verschieben um dahinter, darunter und darauf zu putzen. Danach kann man auch noch alle Fenster putzen damit mehr Licht rein kommt und alle Oberflächen entstauben.

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DIE GÖTTIN OSTARA UND OSTERN

 

Ostara, auch Eostre genannt, ist eine germanische Göttin welche das Ende des Kampfes gegen die Winterlichen Gefahren symbolisiert. Sie bringt Wärme, Wachstum, Licht und Wiedergeburt. Ihr heiliges Tier ist der Hase und ihr Symbol ist das Ei. Der Name bedeutete "Aurora" oder Morgenrot, welches in den Jahreszyklus projektiert genau der Frühlingsanfang ist.

Von Ostara kommt auch der Name Ostern, oder Eastern auf Englisch, ausserdem auch der Name des Monats April, welcher auf germanisch ôstarmânôt hiess. Ostern ist nämlich ursprünglich ein heidnisches Fest welches, wie auch viele andere, von der christlichen Kirche übernommen wurde, welche versucht hat den Ursprung und die älteren Traditionen zu zerstören. Deswegen ist leider wenig Wissen über Ostara geblieben, welche eine Göttin war, die ausschliesslich für die Frühlingstagundnachtgleiche verehrt wurde. Sie wird in manchen antiken Texten genannt und man fand auch einige Statuen zu ihrer Ehren. Auf jeden Fall weiss man, dass diese Göttin schon sehr lange verehrt wurde und dass ihr Name von der Himmelsrichtung Osten abstammt, von wo die Sonne kommt, welche und eben in diesen Tagen ihre strahlende Schönheit und ihre Wärme schenkt. Ostara ist die Göttin des Sonnenaufgangs, aber auch der Fruchtbarkeit und der Wiedergeburt, der Tiere und der Pflanzen, im Frühling.

Diese Göttin des Frühlings hatte in der Vergangenheit viele Namen. Heutzutage wird sie fast ausschliesslich Ostara genannt, da sie den Namen für Ostern gegeben hat. Andere Namen jedoch wären Beda, Bertha, Gerda usw.
Unabhängig davon, wie man sie nennt, feiert man jetzt die Göttin des Frühlings.

Auch in der babylonischen Kultur feierte man den Frühling mit farbigen Eiern, Brot und den 40 Tagen Fastenzeit in welcher man keine tierische Produkte ass. Dieses Fest, zu ehren der babylonischen und assyrischen Göttin Astarthe, ursprünglich Ištar, wurde auch von den Hebräern in Israel weitergetragen, welche noch heute Pessach feiern, bei dem Lammfleisch und Mezza-Brot gegessen wird. Das Prinzip ist immer dasselbe: Das Fest der Freude nach dem Leid und den Entbehrungen, welches die Rückkehr des Frühlings nach dem harten Winter ist, zu Ehren der Muttergöttin, also die Erde.

 

Durch den Einfluss des Christentums ist Ostern ein christliches Fest geworden, welches sich an allen ursprünglichen "Osterfesten" anlehnte. Es hat die Eigenschaft der Wiedergeburt erhalten, jedoch auf eine eher abstrakte Weise, weniger Naturverbunden, was für den Christentum typisch ist. Es liegt nun an uns, diese beiden Seiten in Harmonie zu bringen und mehr darauf zu achten, was um uns, nicht nur in uns, vorgeht, da das eine das andere stark beeinflusst.

Mancheiner könnte sagen, dass Ostern dieses Jahr einen ganzen Monat später ist als die Frühlingstagundnachtgleiche, und somit nicht dasselbe Fest ist. Die christliche Oster ist in der Tat sehr spät, aber noch einmal feiern wir nicht ein Datum, sondern einen Zeitraum. Das wichtige ist, die gesamte Zeit mit der richtigen Einstellung zu leben, jeder Mensch kann und soll für sich selbst bestimmen, an welchem Datum oder Tag man das entsprechende Ritual durchführen will. Es ist nur empfehlenswert, dass man es jedes Jahr ungefähr ein ähnliches Datum ist.

Wer ungefähr am 20. März feiert, wird eine Zeremonie haben, welche näher am Ursprung, bescheidener und reiner ist, und wird die Natur beobachten können, wie sie langsam aus ihrem Winterversteck hervorkommt. Wer die Ostertage wählt, der wird sich mehr auf das Feiern nach dem Mangel konzentrieren, der Moment, in dem das Fasten und die Enthaltsamkeit endgültig vorbei sind und man mit voller Lebensfreude feiern kann. Dies geht in der keltischen Kultur mehr in die Richtung von Beltaine, welches nicht so weit entfernt ist von dem christlichen Ostern. Es gibt nichts negatives darin, sowohl die Tagundnachtgleiche als auch Ostern zu feiern. Im Gegenteil, je mehr man die Jahreskreisfeste feiert, desto besser!

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Die Ostereier

Überall gelten als Symbol für Ostern die bunten Eier, und das schon immer, lange bevor es das christliche oder das heidnische Ostern gab. Die Eier waren ein Sinnbild für den Frühling, da in dieser Saison die Hühner viele Eier legen, somit waren die Bauern schon vor tausenden von Jahren in dieser Zeit von Eiern überflutet, welche sie für eine längere Haltbarkeit kochten. Um die gekochten Eier von den Rohen unterscheiden zu können, färbten sie diese mit natürlichen Farben wie die Zwiebelschalen.
Ursprünglich waren die Ostereier nicht bunt, sondern hauptsächlich rot gefärbt.

 

Die Eiersuche

Wir alle kennen das traditionelle Spiel der Eiersuche. An Ostern verstecken die Eltern gefärbte Eier im Garten, welche die Kinder suchen müssen, um sie dann behalten zu können. Heutzutags sind die Eier oft aus Schokolade, aber noch mancheiner macht es mit den traditionellen, gekochten und gefärbten Eiern.

Der Ursprung dieses Spieles kommt auch aus der heidnischen Oster, also das Fest der Tagundnachtgleiche: Es war tradition, sich gegenseitig gekochte, farbige Eier zu verschenken. Als die Kirche aber ihr Fest an stelle des heidnischen Festes durchsetzte, verbot sie auch den heidnischen Brauch des Eierschenkens. Das Volk hörte nicht auf sie zu verschenken, jedoch machten sie dies, indem sie die Eier in den Gärten der Beschenkten versteckten.

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RITUAL FÜR DIE TAGUNDNACHTGLEICHE

Die Tagundnachtgleichen, wie auch die Sonnenwenden, sind nach der heidnischen Tradition kleinere Feste, weshalb es nicht unbedingt nötig ist, ein Ritual durchzuführen, wenn man nicht das Bedürfnis dazu verspürt. Es ist hingegen viel wichtiger, den ganzen Zeitraum mit dem Rhythmus der Natur zu leben. Wer jedoch trotzdem rituelle Tätigkeiten durchführt, um sich besser mit den Geist von Mutter Erde zu verbinden, wird zweifellos einen positiven Einfluss spüren. Ein gut gemachtes Ritual berührt unsere Seele in der Tiefe und synchronisieren sie mit der Mutter, der grossen Göttin, oder jeglicher anderer Gottheit, die man verehren will, und somit auch mit allen anderen Geschöpfen, auch unseren Artgenossen. Nach einem Ritual fühlt man sich generell stabiler und sicherer, ruhig und positiv. 

Für ein gutes Tagundnachtgleiche Ritual kann man eine Gruppe von Freunden und Verwandten einladen, denn das jetzige Ziel ist genau das, sich zu öffnen und zu sozialisieren. Es ist auch sehr schön, Kinder mit in die Feier der Tagundnachtgleiche einzubeziehen, denn ihr Temperament widerspiegelt sich am Meisten in diesem Jahreskreisfest. Die Kinder profitieren und lernen extrem viel von diesen Momenten, welche es ihnen ermöglichen, auf eine bewusstere und naturnähere Art aufzuwachsen, und ihr inneres Leben und die eingeborene Weisheit zu fördern.

Wann

Der richtige Moment um die Tagundnachtgleiche zu feiern, ist der Morgen, oder wenn die Sonne stark ist und uns nicht nur erleuchtet sondern auch wärmt. Es ist wichtig, dass man an einen natürlichen Ort geht, zB in einen Wald, Park, auf ein Feld oder zumindest in den Garten, um alle Wunder der Natur beobachten zu können: Wie die Pflänzchen aus der Erde spriessen, die Steine in der Sonne glitzern, der Bach voller geschmolzenem Schnee, der Gesang der Vögel und die frische, duftende Luft, erwärmt von der Sonne, welche alle Farben zum leuchten bringt.

​​Geschenke für Mutter Erde

Zum Ritual müssen alle (auch die Kinder!) etwas bringen, was den Frühling symbolisiert. Zum Beispiel eine gelbe Blume oder andere Geschenke der Natur, eventuell ein selbstgemachter Gegenstand oder etwas zu Essen wie Gemüse aus dem Garten, gefärbte Eier oder Brot. Das Brot hatte schon immer eine sehr wichtige Rolle bei den Ritualen der natürlichen Religionen (siehe unter "Ritualbrot"). Alles, was man bringt, ist als Geschenk vorgesehen um geteilt zu werden mit den anderen Menschen und mit der Erde.

Zeremonie des Rituals

1) Man kann das Ritual mit einer reinigenden Meditation beginnen, um sich von den emotionalen Verschmutzungen und den alltäglichen Gedanken zu befreien. Ideal ist in diesem Moment eine tiefe Atemübung, um sich der Luft zu öffnen, das jetzt dominierende Element. Die Atmung ist auch ein guter Weg um sich zu reinigen.

2) Danach formt man einen Kreis in dem man sich an den Händen hält, und sich mit den anderen Personen verbindet.

3) Falls das Ritual eine religiöse Absicht hat, kann man jetzt die entsprechenden Götter herbeirufen. Ansonsten genügt es, mit Achtsamkeit den Moment und die Umgebung wahrzunehmen, und sich mit der Erde, dem Himmel und den vier Elementen in den entsprechenden Himmelsrichtungen zu verbinden.

4) Schön ist es auch, alle zusammen im Kreis fröhliche Frühlingslieder zu tanzen und zu singen. Auch Kinderlieder sind dafür geeignet, da der Frühling denselbern Charakter hat. Falls man keine geeigneten Lieder und Tänze kennt, oder alle zu scheu sind, kann man auch andere Spiele oder fröhliche Aktivitäten machen. Das Wichtige ist, dass sich eine Atmosphäre von Freude, Öffnung und Leichtigkeit bildet, welche einen zum Sozialisieren und tiefem Verbinden verleitet.

5) Nach dem Tanzen und Singen, oder was man auch immer gerne macht, ist der Moment gekommen, um zusammen zu Essen. Man teilt alle mitgebrachten Speisen und opfert ein Wenig an den Wald oder dem Feld, auf dem man sich befindet, und dankt der Erde ganz Fest für alle Geschenke die sie uns macht, und dass sie uns auf ihrer wundervollen Oberfläche beherbergt.

6) Das Ritual ist Open End. Nachdem man sich fest und innig bei allem und allen bedankt hat, kann man machen, was immer man will. Zum Beispiel einen gemeinsamen Spaziergang, oder im Garten die Sonne geniessen...

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THEMA DER TAGUNDNACHTGLEICHE

Das Hauptthema ist die Aussaat, in allen Sinnen: Unsere Projekte in die Praxis umsetzen, die Ideen materialisieren, der Beginn von Sachen und Lebensabschnitten. Die Qualität der Aussaat in dieser Zeit bestimmt den Erfolg für den Rest des Jahres.

ELEMENT DER TAGUNDNACHTGLEICHE: LUFT, wie auch an Inbolc, aber diesmal auf tastbarerer und materieller Weise: man kann nun den Wind des Neubeginns spüren.

Mit der Ankunft der Wärme öffnen wir unsere Fenster damit die Luft die Zimmer reinigt und wir besser atmen können. Die Luft kann jetzt viel leichter eintreten als im Sommer, weil es üblicherweise im Frühling immer etwas windig ist.

Wenn wir nach draussen gehen, sehen wir dass die Erde erwacht, aber sie ist noch nicht so präsent. Die Sonne wärmt, aber stets weniger als im Sommer. Es ist die Luft, die uns wahrhaftig beeindruckt, uns mit Freude erfüllt, und uns dieses wundervolle Frühlingsgefühl gibt. Nach dem Winter, in dem wir die meiste Zeit im Inneren verbracht haben, atmen wir jetzt wieder frische und reine Luft, oft auch nach frisch spriessenden Blumen duftend, was uns wirklich glücklich macht. Es verbindet uns mit dem Rest der Welt, den Vögeln und den Pflanzen, denn wir alle atmen dieselbe Luft, welche in dieser Saison von bester Qualität ist.

Es lohnt sich sehr nach draussen auf die Felder oder in den Wald zu gehen und achtsam zu atmen, um sich bewusst zu werden, wie wichtig dieses Element auch für unser Leben ist. Die Luft ist nicht immer dieselbe, sie verändert sich stark und so reagiert auch unser Körper wenn er sie atmet. Es gibt noch nicht all zu viele Studien diesbezüglich, weil andere Dinge für die Medizinwissenschaften wichtiger sind, wie zum Beispiel den Einfluss der Lebensmittel auf unseren Organismus und die Ursache der Krankheiten, dennoch darf die Luft nicht unterschätzt werden. Die antiken Indianer und Chinesen kannten ihre wohltuende Wirkung, in deren Medizin gibt es das Konzept von Prana oder Qi, welches eine Energie ist, von der wir hier im Westen nur selten sprechen, aber es ist genau diese Energie, welche uns von der Luft übertragen wird. Es ist nicht bloss der Sauerstoff, es gibt noch mehr. Manche Gelehrte des Luftfastens (Fasten ohne jegliche Nahrungs- oder Flüssigkeitszunahme) sind der Meinung, unser Körper könne auch direkt aus der Luft Nahrung generieren. Ich habe dieses Thema noch nicht vertieft, aber ich spüre dass es mehr gibt als das, was den Medizinstudenten beigebracht wird.

 

GEEIGNETE TEES: Fastentee, Entgiftungstee, Frühlingswind, Brise de Provence, Entspannungstee

NÜTZLICHE LINKS: Fasten, Vegane Ernährung

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DAS RITUALBROT

Seitdem die Menschheit Getreide anbaut (8000 v.C.), macht sie auch Brot, und seitdem sie Brot macht, benützt sie es bei jeder Zeremonie, denn das Brot ist seit jeher das Urnahrungsmittel. Das Brot ist Symbol des Lebens und der Gesundheit und der Heiligkeit: bereits zu Beginn der Aussaat hat man die Götter angebetet, eine gute Ernte zu gewähren. Während der Ernte machte man aus dem ersten Getreide ein Brot welches den Göttern als Dank gewidmet wurde. Auch während des Backens beteten die Hausfrauen und machten rituelle Zeichen um das Brot gut werden zu lassen. Man betete vor dem Essen und noch heute betet man den Herr Gott um unser täglich Brot.

Viele Ritualbrote sind heute süss geworden, wie der Osterkuchen, die "Grättimänner" und der Dreikönigskuchen. Leider findet man heutzutage viele Brote von schlechtester Qualität, industriell hergestellt aus viel zu fest verarbeitetem Mehl, mit Zusatzstoffen und künstlich haltbar gemacht. Ich hätte gerne dass ihr für heute einmal diese "Brote" vergesst, um an das ursprüngliche Brot zu denken, das Leben bringende Brot, aus frischem und von Hand gemahlenen Vollkorngetreide, mit Leidenschaft geknetet und im Holzofen gebacken. Dieses Brot, welches mit Sehnsucht und Hunger erwartet wurde, welches vermutlich noch warm und begleitet vom Gemüse aus dem eigenen Beet gegessen wurde, nährte so wunderbar die grossen Familien der Bauern bereits vor tausenden von Jahren. Nach einer Million Jahren, in welcher der Mensch das ass, was er auf seinem Wege fand, war es ein Wunder, einen Weg gefunden zu haben, solch ein feines, nahrhaftes und gesundes Nahrungsmittel herzustellen, dass es wirklich wie ein Geschenk der Götter erschien. 
Deswegen ehrten sie es so sehr und seine Verwendung für die Rituale in antiken aber auch relativ modernen Zeiten wurde sehr reich dokumentiert.

 

Die Traditionen unserer Vorfahren zu erhalten hilft uns, uns mit ihnen und ihrer archaischen Weisheit zu verbinden, aber auch um die Verbindung mit unserem Sein, unseres jetzigen Lebens, wiederherzustellen und ihm mehr Wert zu geben. Es ist ein Weg um Heiligkeit und Bewusstsein in unsere noch matten und spirituell trockenen Leben zu bringen.

 

Dies gilt nicht nur für die Frühlingstagundnachtgleiche, sondern für alle Feiern.

Wie mache ich ein Brot, welches einer Zeremonie würdig ist?

-Das Ritualbrot ist aus hochwertigen Mehlen gemacht, wenn möglich Vollkorn und auch mit Weizenkeimen versehen, der Quelle des Lebens. Das Beste ist, eine kleine Mühle zu kaufen, auch eine Handmühle, oder das Mehl bei einem Bauern zu kaufen anstatt dem Industriellen. Das Osterbrot ist heute oft leicht und süsslich, oder wie die "Colomba di Pasqua" (Ostertaube) in Italien, welche eine tiefe, symbolische Bedeutung des Friedens hat. Das Wichtigste ist, dass es von guter Qualität ist. Niemand verbietet es, Milch, Süssstoffe, Mandeln, Dörrfrüchte usw hinzuzugeben.

-Das Urbrot wurde nicht mit Hefe gemacht sondern mit Sauerteig. Ich empfehle es sowieso, das Brot immer aus Sauerteig zu machen, denn es ist viel gesünder und schmeckt besser.

-Der Moment, in dem man das Brot macht ist heilig, deshalb muss er frei von Stress, negativen Gefühlen oder jeglichen sonstigen negativen Einflüssen sein, welche die Qualität des Produktes beeinträchtigen würden.

-Der Moment, in dem man das Brot formt, ist noch wichtiger: es ist etwas höchst kreatives, bei dem die Frau eine ihrer wichtigsten Rollen erfüllt, die der Nährerin, welche Essen für die gesamte Familie bringt. Mit diesem übermittelt sie auch nicht materielle Inhalte, welche unter anderem durch das Aussehen des Essens kommen, wie zum Beispiel die Form des Brotes.

Die Form des Ritualbrotes hat schon immer das Symbol des Festes widerspiegelt: oftmals die Form der Sonne, mit einem Runden Kreis und Strahlen rundherum, aber auch die Spirale als Symbol des ewigen Kreises des Lebens findet man sehr oft, auch weil es einfach zu machen ist und schön aussieht. Manchmal kriegt das Brot auch eine spezielle und ausschlaggebende Form wie zum Beispiel die eines Männchens, oder es wird mit rituellen Elementen, wie einem Kreuz, versehen.

An Ostern ist die traditionelle Form die einer Spirale, oder auch ein rundes Brot mit einer Spirale rundherum und Eier (aus Brot oder auch echte) in der Mitte. Auch den Zopf, welcher eine Vereinfachung der Spirale ist, sieht man an Ostern oft, jedoch hat er seine ursprüngliche Bedeutung verloren, nämlich die, der Darstellung der Wiedergeburt im unendlichen Zyklus der Jahreszeiten.

-Bevor man das Brot isst, wird es gesegnet und das erste Stück wird der Natur geopfert.

Falls du Rezepte für ein gutes Brot brauchst, kannst du auf meinem Blog vorbeischauen.

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